Chronik

 

Die älteste aller in der Wehrer Narrenzunft zusammengeschlossenen Zünfte, ist die Hexenzunft.

Bereits 1972 konnte im Kreis zahlreicher Narrenfreunde und Gäste, auch aus der benachbarten Schweiz, mit einem großen Hexenball im Wehrahof das 25-jährige Hexen-Jubiläum gefeiert werden. Schon im Jahre 1937 begannen einige unternehmenslustige Damen, meist die Frauen der damaligen Elferräte, die Wehrer Fasnacht mitzugestalten. Die Gruppe nannte sich damals “Steineggwiiber”. Den Namen hergeben mußte der Steinegg, ein steiler Hang aus dem Wehratal hoch zum Hotzenwald, auf dem früher Hexen ihr Unwesen getrieben haben sollen. Frau Anny Laule, die Ehefrau des damaligen stellvertretenden Elferratspräsidenten Adolf Laule, war die Initiatorin der Gruppe.

 

Nach dem unseligen und fasnachtslosen Krieg war es wiederum Frau Anny Laule, die 1947 mit einer kleinen Gruppe von 10 Frauen, doch diesmal als Hexen, in das Fasnachtsgeschehen eingriff, um mit närrischem fasnächtlichen Treiben die immer noch unter den Nachkriegsfolgen leidende Wehrer Bevölkerung aufzumuntern. Das Jahr 1947 ist somit auch das offizielle Gründungsjahr der Wehrer Hexenzunft.

 

 

Beflügelt durch die großen Erfolge der zunächst kleinen Gruppe, wurde diese schnell vergrößert, wobei auch erstmals männliche Mitglieder Aufnahme fanden. Bereits 3 Jahre später zählte die Hexenzunft 30 Mitglieder. Hatte man bis dahin noch Pappmasken, die kaum mehr als eine Kampagne aushielten, traten an deren Stelle neue, stabile und originelle handgeschnitzte Holzmasken, wie sie auch heute noch von den Hexen getragen werden. Zu dieser Zeit hatten die Hexen zweifellos einen ihrer größten Höhepunkte in ihrer bisherigen Geschichte zu verzeichnen. Es wurden auch auswärtige Narrentreffen besucht, und mit ihrem 2-rädrigen Hexenkarren sorgten die Wehrer Hexen überall für beträchtliches Aufsehen. Zum großen Narrentreffen in Freiburg im Jahre 1955 waren es schon 42 Hexen. Dort hatte auch zum ersten Mal die Hexenmusik ihren großen Auftritt.

 

Im Jahr 1959 gab die Hexenmeisterin Frau Anny Laule, die ihr Amt mit großem persönlichen Einsatz, viel Idealismus und großer Verantwortung über ein Jahrzehnt inne hatte, aus gesundheitlichen Gründen an Markus Eschbach ab. Die Hexen hatten somit ihren ersten Hexenmeister. Dieser hielt die Hexenzunft mit viel Humor bei der Stange, musste aber leider nach nur kurzer Amtszeit ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen 1963 an Dieter Wunsch abgeben. Dem schnellen Aufschwung folgte dann eine kurze Zeit der Stagnation.

 

Bereits 1964 übernahm Roland Fricker das Amt des Hexenmeisters. Zusammen mit einigen erfahrenen Mitgliedern wurde die Hexenzunft neu aufgebaut, so dass die Gruppe in den frühen 70-iger Jahren bereits wieder 60 aktive und fast 20 passive Mitglieder zählte.

 

Zur Pflege des fasnächtlichen Brauchtums dienten die verschiedenen Zusammenkünfte, verteilt über das ganze Jahr. Große Hexenfeste, insbesondere auch der Hexensabbat auf der Steinegghütte für große und kleine Hexen, lebten neu auf. Im Vordergrund stand aber auch immer das aktive Mitwirken am gesamten Geschehen der Wehrer Narrenzunft. Schöne, teilweise mit viel technischem Raffinesse gebaute Wagen zu den Fasnachtssonntagsumzügen, sowie die Beteiligung an den Zunftabenden, insbesondere mit dem Beitrag “d’Hexekuchi” mit der “Lenz’schen scharfen Zunge” (Stadtrat und Altelferrat Dieter Lenz), und weitere schöne Beiträge fanden immer Anklang beim närrischen Publikum.

 

Ein neuer Hexentanz unter Leitung von Diplom-Tanzlehrerin Frau Lüdecke wurde 1974 einstudiert. Dieser wurde auf verschiedenen Veranstaltungen aufgeführt und fand überall großen Gefallen. Aber ganz besonders widmete sich der Hexenmeister dem kontinuierlichen Auf- und Ausbau der Junghexengruppe. Über 40 Hexenkinder wurden teilweise bei den verschiedenen Umzügen gezählt. Auch der weitere Ausbau der Hexenzunft wurde nie aus den Augen verloren. Diese erhielt nach und nach Gesicht und Form, die bis in die heutige Zeit erhalten blieben.

 

1987 gab Oberzunftmeister Roland Fricker das Amt des Hexenmeisters nach 23-jähriger Amtszeit an Helmut Uecker ab. Als herausragendes Ereignis in dessen Amtszeit gilt es, die gastronomische Abwicklung der Inter-Coiffure-Welt-Show von  Coiffure-Team-Weltmeister Gunter Amann, ebenfalls Hexenzunftmitglied, in der Stadthalle Lörrach. festzuhalten. Über 3 Jahre hinweg wurden von der Zunft organisatorische Höchstleistungen gefordert, und nahtlos passte sich diese der versammelten Welteltelite an.

 

Karl-Heinz Laufer übernahm 1991 das Amt des Hexenmeisters und führte dieses bis zur krankheitsbedingten Übergabe zum Ende des Jahres 1997. In seine Amtszeit fiel die Durchführung des 50-jährigen Hexenjubiläums. Ein Novum in der Narrenzunft Wehr, nämlich der Nachtumzug mit 45 Musiken und Hexengruppen, auch aus der benachbarten Schweiz, durch die dunkle Innenstadt, vorbei an einer großen Anzahl närrischer Bevölkerung. Im Anschluss an den Nachtumzug fand in einem eigens erstellten und an die Stadthalle angrenzenden Zelt eine Jugenddisco, und in der Stadthalle ein Jubiläumsabend mit vielen Tanz- und Musikauftritten der eingeladenen Gastzünfte statt. Um Mitternacht wurde mit der Mitternachtsshow der Steelband Wallisellen / Schweiz, das offizielle Programm abgeschlossen. Man darf stolz behaupten, eine Meisterleistung des Hexenmeisters mit seiner Zunft.

 

 

1998 übernahm Peter Werner eine gut organisierte, erfahrene und harmonische Hexenzunft mit über 150 Aktivhexen, Kinderhexen und Passivmitgliedern. Im Oktober 2002 hat nun Christian Ruthe als erster Zunftmeister die Leitung der Zunft übernommen.